Ein Evolutionsverständnis ist zentral für den Aufbau von Scientific Literacy sowie für das Verständnis aktueller biologischer Krisen. Damit Evolutionsunterricht gelingt, müssen Naturwissenschaftslehrpersonen (NT-LP) gut vorbereitet sein, d.h. über solides Professionswissen und ausgeprägte Selbstwirksamkeitserwartungen verfügen. Die Vorbereitung (preparedness) von Lehrpersonen beeinflusst sowohl die Bereitschaft, Evolution zu unterrichten als auch die wahrgenommene Bedeutung von Evolution. Studien zeigen jedoch, dass das Evolutionswissen angehender und praktizierender NT-LP häufig begrenzt ist und die Akzeptanz für Evolution je nach kulturellem Kontext variiert. Empirische Befunde zu Selbstwirksamkeitserwartungen sind bislang selten. Um diese Forschungslücke zu schliessen, wurden in einer Mixed-methods-Studie Evolutionswissen, domänenspezifische Selbstwirksamkeitserwartungen und Bedenken i.B.a. Evolutionsunterricht bei angehenden NT-LP erhoben (n = 18). Ein quantitativer Wissenstest (KAEVO) wurde mit Leitfadeninterviews kombiniert. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der preparedness: Die Selbstwirksamkeitserwartungen i.B.a. fachdidaktische Aspekte waren eher niedrig, während die Fähigkeit Begeisterung zu wecken mehrheitlich hoch eingeschätzt wurde. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden wies begrenztes Evolutionswissen bei gleichzeitig hoher Selbsteinschätzung auf – ein Risiko für die Weitergabe alternativer Vorstellungen an die Schüler:innen. Diese Befunde unterstreichen die Notwendigkeit, evolutionsbezogenes Fachwissen und fachdidaktisches Wissen in der Lehrpersonenbildung zu integrieren und durch gezieltes Feedback realistische Selbsteinschätzungen sowie reflexive Praktiken zu fördern.

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